Heimatkreis Rummelsburg in Pommern


Bial

 
Quelle: Sammlung Hans-Jürgen Knaack


 

 


Ausschnitt aus dem Meßtischblatt 1:25.000 Nr. 1966 Sydow und 1967 Rummelsburg
© Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Zum Vergrößern bitte auf die Karte klicken, es erscheinen dann Details mit dem Dorfplan.

 


Allgemeines:

In Bial befanden sich das Restgut (Gebäude steht noch), mehrere Wohnhäuser (nur zwei sind abgebrochen), ein Schulgebäude und ein Friedhof mit Leichenhalle. Die Kirche befand sich in Groß Schwirsen.

 


Quelle: W. Kühl. Die Schule mit Lehrerwohnung  in Bial von 1937

in: Rummelsburger Land 1/2009, S. 5

 


Die ehemalige Schule in Bial, 2008
Foto: Jürgen Witzke

 

Bauernhof von Fritz Burow
Foto: Hans Reinke

 


Lehrer Witzke mit Schülern beim Kartoffeln sammeln im Schulgarten.
Foto: Hans Reinke

 

 


Wohnplätze: Bial, Bial Vorwerk

Lage: Auf der topographischen Karte 1:25.000 Blatt Nr. 1966, 1967

Einwohner 1939: Zahl der Haushaltungen: 36
                            Gesamtbevölkerung: 192

poln. Ortsname: Biała


Verwaltungseinteilung:

Kreis: Rummelsburg

Regierungsbezirk: Köslin

Amtsbezirk: Groß Schwirsen

Standesamt: Groß Schwirsen

Kirchspiel: Groß Schwirsen

Schule: Bial


Geschichtliches:

Die Gründung Bials erfolgte durch die Familie von Lettow nach der Erbteilung des Jahres 1543. Zuerst wurden eine Mühle, später eine Schäferei und schließlich ein Rittersitz erbaut. 1784 ist eine Wassermühle nachgewiesen. Zu Bial gehörte das Vorwerk Selberg B. 1871 entstand eine Ziegelei. In den Jahren 1901/02 wurde das Gut Bial in 15 Rentengüter und ein Restgut von 164 ha aufgeteilt. Ursprünglich ein Gutsbezirk, wurde bei der Neuordnung der Gemeindebezirke 1928 Bial mit Vorwerk Bial zu einer Landgemeinde zusammengefasst.
Besitzer des Gutes waren ab 1842:
1842: Gustav Wilhelm v. Lettow
1855: Hermann v. Belling
1889: Reinhold v. Woedtke
1890: Friedrich v. Köppen
1892: Reinhold v. Woedtke
1898: Maria v. Zitzewitz zu Techlipp
1901: Johann Kroggel
Aufteilung des Gutes (s. o.), Restgut verblieb.
1905: Albert Clemenz
1910: Julius Wolff
1911: Ludwig Brandt
1920: Adolf Sengler
1926: Alfred Brandt

Im Zweiten Weltkrieg fanden in Bial keine Kampfhandlungen statt, demzufolge kam es auch zu keinen Gebäudeschäden durch Kampfeinwirkung. Ein Teil der Bewohner wurde von den sowjetischen Soldaten nach Sibirien verschleppt.


Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen:

Verbleib der Kirchenbücher und der Personenstandsregister Groß Schwirsen unbekannt.


Über das Dorf und seine Bewohner:

Wenn man von Pollnow kam und den Bialler Bach, der das Dorf durchfließt, überquert hatte, erblickte man auf der linken Seite (in Richtung Rummelsburg) folgende Gebäude:

1. Gützlaff (steht nicht mehr). Ehefrau eine geb. Dobbrunz.
2. Max Kroggel. Ehefrau Berta geb. Lawrenz. Kinder: Erika, Gerda, Hans, Günter, Lotte, Selma.
3. Günter Rutz (Beschlagschmied und Wagenbauer, eigene Schmiede). Ehefrau Meta geb. Glienke. Schmiedebesitzer war Meister Arthur Rutz, Vater von Günter.
4. Willi Knaak. Ehefrau Olga geb. Fuhrmann. Tochter Edith.
5. Erich Bartz. Ehefrau Berta geb. Raddatz. Kinder: Benno, Ilse.
6. Albert Reinke, geb. 18.02.1906, früherer Bürgermeister und Bauer mit eigenen Ländereien (Haus steht nicht mehr). Hier befindet sich heute das Haus des Sołtys. Ehefrau Auguste geb. Dreifke. Kinder: Hans, Ursula und Gertrud
7. Franz Munzke, wanderte nach Amerika aus. Ehefrau: Name unbekannt. Kinder: Karl, Anna, Franz, Meta, Pauline, Robert.

8. Auf der rechten Seite befand sich das Gut mit dem Gutshaus. Inhaber: Alfred Brandt. Söhne: Joachim, Rüdiger.
Auf dem Gutshof wohnte der Schweizer Dobbrunz.

Am Weg zur Schule lagen 3 Landarbeiterhäuser:

9.   Raddatz. Gutsarbeiter (1. Haus hinter dem Gutshaus)
10. Georg Gall, Hofmeister bei Brandt. Ferner Dornsbach (später zugezogen, ist im 2. Weltkrieg vor Berlin gefallen). Ferner Quandt. Gutsarbeiter. (2. Haus hinter dem Gutshaus).
11. Handschuh. Im Handschuh´schen Haus waren zuletzt polnische zivilinternierte Arbeiter untergebracht. (3. Haus hinter dem Gutshaus)
12. Dann folgte der Bauernhof von Fritz Burow.

13. Schule. Hier wohnte Lehrer Alfred Witzke (geb. 16.09.1899 in Gröbenzin Kr. Bütow), Ehefrau: Magdalena geb. Kranz (geb. 21.09.1903 in Remmen, Kr. Schlochau). Kinder: Jürgen und Gudrun. Alfred Witzke war seit dem 01.08.1923 an der ev. Volksschule in Bial angestellt. Die erste Lehrerprüfung hatte er am 9.7.1920 in Anklam abgelegt. Die zweite Lehrerprüfung legte er ab am 19.2.1926 in Bial. Im Volksschuldienst endgültig angestellt wurde er am 1.8.1928. Seit 1.5.1943 war er dann in Kaffzig und seit 1.8.1943 in Rummelsburg angestellt.




Klassenfoto Bial 1937 mit Lehrer Witzke.
Foto: Willi Reinke und Ehefrau Gertrud geb. Nemitz


Am Weg Richtung Groß Schwirsen lagen folgende weitere Gebäude bzw. Bauernhöfe:

14. Gegenüber der Schule: Das Feuerwehrhaus. Die Feuerwehrspritze, die mit einer Handpumpe von 4 Mann betrieben wurde, musste auf einem Pferdewagen zur Feuerstelle transportiert werden. Dafür waren die einzelnen Bauern reihum zuständig.
15. Emil Fisch, Land- und Forstarbeiter. Kinder: Gudrun, Jürgen
16. Richard Wardelmann. Ehefrau Maria geb. Völzke. Frau Martha Klann geb. Wardelmann. Kind: Heinz
17. Gegenüber Glienke: Ernst Heberlein. Selbständiger Stellmacher.
18. Karl Glienke. Ehefrau: Marie.
19. Gustav Andree.

In Bial Abbau (Vorwerk Bial), ca. 800 m vom Dorf entfernt, lagen folgende Bauernhöfe:

1. Stein und Frädrich: Beruf Schuster, aus Groß Schwirsen. Beim Einmarsch der Russen spielte sich hier eine Tragödie ab. Sowjetsoldaten waren über die Frauen der Familie hergefallen. Der Schuster drehte durch und erschoss erst die beiden im Krieg aus dem Rheinland evakuierten Frauen aus Gelsenkirchen, die bei ihm wohnten, dann seine Tochter, dann seine Ehefrau und zuletzt sich selbst. Bialler Einwohner fanden die Leichen nach einigen Tagen und beerdigten sie vor Ort. Es folgte später eine Umbettung auf den Bialler Friedhof.
2. Witt, Karl und Emil, Landwirte
3. Wittenburg, Landwirt
4. Burow, Gustav, Landwirt (geb. am 10.08.1896[1] in Klein Reetz), Ehefrau Helene geb. Fritz (geb. in Wocknin) mit den Kindern Heinrich, Gertrud und Gerda. Helene Burow und die Kinder Heinrich sowie Gertrud wurden nach Sibirien verschleppt und kehrten von dort nicht zurück[2].

Das Vorwerk Bial wurde bewirtschaftet von einer Familie Stein (zuletzt Frädrich).

Es gab auf dem Grund der Landgemeinde Bial ein Naturdenkmal, das war die sog. „Friedenstanne“. Sie stand mitten im Wald. Wie sie zu ihrem Namen kam, ist nicht mehr bekannt. Als Flurname ist der „Fuchsberg“ überliefert. Von hier aus konnte man bis Klein Reetz sehen. Die Landgemeinde Bial lag auf einer Höhe zwischen 110 m und 202 m ü.M. Durch Bial fließt von Süd nach Nord der Biallenbach.

In der Schule wurden alle 8 Klassen gleichzeitig unterrichtet. Letzter Bialler Lehrer (bis 1940/41) war Alfred Witzke. Danach, bis 1945, unterrichtete der Klein Schwirsener Lehrer Maschke, da Lehrer Witzke eingezogen wurde.
Es gab 2 Förster. Mit der Gemeindejagd beauftragt war Förster Kroggel, mit der Gutsjagd Förster Rogge. Der war gleichzeitig auch Betriebsleiter auf dem Gut.

Der Besitzer Alfred Brandt war durch Kriegsdienst abwesend. Seine Ehefrau Maria (genannt Mike) lebte weiter im Gutshaus, die beiden Söhne Rüdiger und Joachim sind gefallen. Angebaut wurden Roggen, Kartoffeln, Hafer, Gerste, Wruken. Mindestens 50-60 Kühe hatte das Gut.
Im Bialler Bach konnte man Forellen fangen. Diese laichten im Januar. Der Bach diente den Frauen auch dazu, Wäsche zu spülen.
Eine Laden gab es in Bial nicht, von Pollnow kam regelmäßig ein Planwagen mit Lebensmitteln und Waren. Aus Kaffzig kam einmal die Woche ein Fleischer.

Berichtet am 2.8.15,  8.11.2015 und 16.10.2016 von Hans Reinke, früher Bial, Jahrgang 1930 und von Gertrud Nemitz geb. Reinke.

Das Dorf Bial, vom Koffelberg aus gesehen, Vorkriegsaufnahme
Auf der linken Bildseite in dem Wäldchen befindet sich die Quelle des Bialer Baches.
Sammlung Jürgen Witzke


Aktuelles:

Auf Initiative des polnischen Sołtys Gerard Macionga von Bial im Jahre 2014 wurden Ordnungsarbeiten auf dem ehemaligen deutschen Friedhof eingeleitet. Die historische Leichenhalle sollte dabei restauriert werden. An der Rückwand der Halle sollte eine Gedenktafel angebracht werden, mit Angaben zu den Sponsoren des Renovierungsprojektes. Der Heimatkreis Rummelsburg e.V. wurde darüber informiert und eine Kooperation angeboten. Zwischenzeitlich hat der Heimatkreis seine Mitarbeit zugesagt. Es fand ein persönliches Gespräch zwischen den Herren Gerard Macionga und Józef Michalski (Einwohner von Bial) mit dem Vorstandsmitglied des Heimatkreises Rummelsburg e.V., Eckhard Witt statt, bei dem auch der Finanzierungsplan zur Sprache kam. Der Heimatkreis Rummelsburg, das steht jetzt fest, wird sich direkt und auch über eingeworbene Spenden am Projekt beteiligen. Im Mittelpunkt steht neben der Restaurierung der kleinen Friedhofskapelle einschließlich Dachdeckung die Aufstellung eines Gedenksteines mit einem zweisprachigen Text.
Der Heimatkreis Rummelsburg würde es sehr begrüßen, wenn sich bei den Einweihungsfeierlichkeiten die polnischen Bewohner von Bial, Vertreter der Gemeinde Rummelsburg/Miastko und Vertreter des Heimatkreises Rummelsburg sowie einige der noch lebenden ehemaligen Einwohnern von Bial näher kennenlernen könnten.



Leichenhalle Bial (Ruine).
Foto: Willi Reinke und Ehefrau Gertrud geb. Nemitz

 

Ehem. Kuh- und Pferdestell mit Bialer Bach im Vordergrund
Goto: Hans Reinke

 


Weg nach Gr. Schwirsen. Schule, Fritz Burow und ein Teil des Hauses
 der Gutsarbeterwohnung. Foto: Hans Reinke


Scheune und Stall Reinke.
Foto: Hans Reinke


ehem. Scheune, Stall und Wohnhaus Reinke
Foto: Hans Reinke


Scheune, Stall und Wohnhaus Reinke.
Foto: Hans Reinke


Historisches Transformatorenhaus.
Foto: Hans Reinke


Straßenbrücke über den Bialer Bach.
Foto: Hans Reinke


Grabstein (Feldstein) auf dem Bialer Friedhof, angefertigt von
Großvater von Hans Reinke. Foto: Hans Reinke.

 


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Erstellt von Jürgen Lux - Letzte Aktualisierung: 12.2.2017



[1] Laut Eintragung im Geburtenregister des Kirchenbuchs Pritzig 1884-1937

[2] Telefonat mit Gerda Walter geb. Burow am 22.10.2016.