Heimatkreis Rummelsburg in Pommern


 

Der Rummelsburger Quempas (1386 KB)

Lebendiges Brauchtum bis zum heutigen Tage


 

Fünf Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges konnte am 9. Dezember 1995 die uralte Tradition der "Rummelsburger Frühkirche" , des "Rummelsburger Quempas" erstmals wieder in der heimatlichen Kirche in Rummelsburg gefeiert werden.
Die noch aus deutscher Zeit stammende, im August 1994 auf dem Kirchenboden wiedergefundene Quempas-Krone (Weihnachtspyramide) war 1995 und zuletzt auch im Dezember 1998 dabei. Eine in Rummelsburg neu angefertigte Krone drehte sich ebenfalls im Lichterglanz. An die 100 Sängerinnen und Sänger, teils aus Hamburg und anderen Teiles Westdeutschlands angereist, teils aus den Reihen des "Rummelsburger Bundes" ließen das traditionsreiche "Quem pastores laudavere" aus dem vier Ecken des Kirchenraumes erschallen. 1995 und 1997 lagen Predigt und Liturgie in der Heimatkirche in den Händen von Pastor Sikora (Stolp), 1996 in denen von Pastor Voß (Hamburg) und 1998 in denen von Pastor Kaiser (Hamburg) und Pastor Sikora (Stolp). Chorleitung hatte stets Frau Elenor Kuntze, geb. in Rummelsburg.



Noten zum selbst Mitsingen für alle Interessierten

 

Vorausgegangen war in Westdeutschland ein fünf Jahrzehnte langes Festhalten am geliebten heimischen Brauchtum, insbesondere durch die Heimatkreisgruppe Rummelsburg in Hamburg. Im Rahmen der Kulturarbeit ist hier das weihnachtliche Quempas-Singen ein fester Bestandteil der Brauchtumspflege. Der gruppeneigene "Rummelsburger Quempas-Chor" feierte mit Unterstützung befreundeter Chöre vollständige "Rummelsburger Frühkirchen" mit vierchörigem Singen des "Rummelsburger Quempas" , so in der evangelischen Kirche in Neuendorf bei Elmshorn (1992), in der Patenstadt Fallingbostel (1993) und im Pommernzentrum in Travemünde (1994), Rummelsburg (1995), Hamburg, Groß Volz und Travemünde (1996 und 1997), Hamburg, Rummelsburg und Travemünde (1998).

Die letzte (vorgezogene) Christmette mit Quempas-Singen fand mit Unterstützung des Chors der Hamburger Gruppe Rummelsburg/Bütow der Pommerschen Landsmannschaft (Vorsitzender: Otto Trapp) am Samstag, den 9.Dezember 2000 in der Rummelsburger Kirche statt. An der Gestaltung hat maßgeblich der Rummelsburger Bund der Bevölkerung deutscher Abstammung (Vorsitzender: Alfons Rekowski) mitgewirkt. Der ökumentische Gottesdienst mit Liturgie wurde gehalten durch den ortsständigen katholischen Vikar in Vertretung des erkrankten Pfarrers Dr. Turkiel und den evangelischen Pastor Staszczak aus Köslin.


Aufstellung der Chöre in der Kirche

 

Ein Rummelsburger kann sich seine weihnachtliche Frühkirche (Christmette) ohne den Schuck und den Glanz der Quempas-Kronen nicht vorstellen. Diese sind Weihnachtspyramiden, deren Propellerflügel von aufsteigender Kerzenwärme angetrieben werden. An einer senkrechten Welle drehen sich drei oder vier runde Scheiben (Teller), auf denen mittels Figuren das Geschehen der Heiligen Nacht dargestellt wird. In älterer Zeit ist wahrscheinlich eine am Ende einer Stange befestigte Lichterkrone beim Einzug der Solosänger und Kerzenträger vorangetragen worden. Die Bezeichnung "Krone" dürfte sich auf die Pyramiden übertragen haben.
In Rummmelsburg hatte man ihrer vier; denn zu jedem der vier Quempas-Chöre gehörte eine Krone. Auf den Brüstungen der Seitenemporen hatten sie am Weihnachtsmorgen ihren festen Platz. Als sich nach dem Zweiten Weltkriege im Westen Deutschlands Rummelsburger Landsleute zusammenfanden, um den geliebten Brauch des Quempas-Singens wiederzubeleben, wurden Kronen schmerzlich vermißt. Aber die lassen sich neu bauen. So tat man es zunächst in Hamburg und München. Eine vom Rummelsburger Tischlermeister Ernst Stremlow geschaffene Krone wurde zur Zierde der Rummelsburger Heimatstube in Fallingbostel. Für die inzwischen wieder alljährlichen Frühkirchen am Ursprungsort, der Rummelsburger Kirche, stehen eine 1994 wiederentdeckte alte und eine nachgebaute Krone zur Verfügung.
Seit 1994 wird am 4. Advent in der Versöhnungskirche im Pommernzentrum in Travemünde eine Original-Rummelsburger Frühkirche abgehalten. Weil jeder Transport der in Fallingbostel stehenden Pyramide ein Risiko in sich birgt, entschloß sich Reinhard Frank, Mitglied des Heimatkreistages Rummelsburg, mit Hilfe seines Nachbarn eine neue Quempas-Krone zu bauen und sie dem Heimatkreis zu schenken. Von Ehefrau Juliane geschmackvoll mit Krippenfiguren ausgestattet, drehte sich die Krone im Lichterkranz zum ersten Male am 4. Advent 1997 in Travemünde



Rummelsburger Christmette mit Quempas  auf CD

Unter der Federführung der Heimatkreisgruppe Rummelsburg/Bütow in Hamburg wurde im Tonstudio Hagenow 1998 eine CD mit der Rummelsburger Frühkirche hergestellt. Eingeleitet und beendet durch das Geläut der Rummelsburger Kirchenglocken ist der vollständige Ablauf der Frühkirche mit: Liturgie (alte pommersche) einschließlich Epistel und Weihnachtsevangelium, Lektionen, Kronenlektionen, Predigt, Quempas, Fürbittegebet, Vaterunser, Segen und den Gemeindeliedern "Dies ist die Nacht, da mir erschienen", "Gelobet seist du, Jesu Christ", "Vom Himmel hoch, da komm ich her" sowie "Der Heiland ist geboren" zu hören. Spieldauer: 45 Minuten.
Der Aufnahme ist ein Begleitheft beigegeben. Er enthält in farbiger Gestaltung auf 24 Seiten neben allen Texten und einigen Noten auch historische Bilder vom Innenraum der Rummelsburger Kirche und einer Quempas-Krone. Im Heft sind alle Mitwirkenden - Organistin, Chöre, Solisten, Geistlicher - aufgeführt.
Dieser Tonträger dürfte nicht nur Landsleuten aus Stadt und Kreis Rummelsburg eine Freude sein, sondern auch denen aus anderen pommerschen Heimatkreisen und Pommern aus Übersee vorweihnachtliche Rückbesinnung auf die eigene Heimat und die der Vorfahren bringen.

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Erstellt von Jürgen Lux. Letzte Aktualisierung: 13.10.2013